Warum "Gefühle benennen" unseren emotionalen Stress reduziert
- michellewunnermw
- vor 15 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
In der psychologischen Beratung fragen wir oft: „Wie fühlen Sie sich dabei?“ Warum kann allein das Benennen von Gefühlen bereits eine entlastende Wirkung haben? Eine Studie aus dem Jahr 2007 mit dem Titel Putting Feelings Into Words: Affect Labeling Disrupts Amygdala Activity in Response to Affective Stimuli zeigt: Diese gängige therapeutische Praxis hat eine greifbare neurokognitive Grundlage.
Was hat die Studie herausgefunden?
Die Forscher:innen wollten herausfinden, was in unserem Gehirn passiert, wenn wir unsere Gefühle in Worte fassen. Dafür zeigten sie den Teilnehmer:innen emotionale Bilder und ließen sie ihre Gefühle entweder benennen oder die Bilder nur anschauen.
Die Ergebnisse:
Wer seine Gefühle benannte (z. B. „Ich fühle mich ängstlich“), zeigte eine deutlich geringere Reaktion in der Amygdala, einem Gehirnbereich, der bei Stress und Angst stark aktiv wird.
Gleichzeitig wurde ein Teil des präfrontalen Cortex aktiver, der dafür bekannt ist, Emotionen zu steuern und zu regulieren.
Mit anderen Worten: Das einfache Aussprechen oder Benennen von Gefühlen hilft dem Gehirn, Stress ein Stück weit zu dämpfen.
Die Studie zeigt also, dass schon allein das „in Worte Fassen“ von Gefühlen eine beruhigende Wirkung auf unser Gehirn haben können – noch bevor wir etwas unternehmen, um das Problem zu lösen.

Das bedeutet für Ihren Alltag: Es gibt einfache, wirksame Wege, diese Erkenntnisse praktisch umzusetzen. Hier sind einige Ideen:
1. Suchen Sie sich ein:e Gesprächspartner:in
Finden Sie eine Person, der Sie vertrauen, und vereinbaren Sie kleine „Gefühls-Check-ins“. Das kann ein tägliches oder wöchentliches Gespräch sein, bei dem Sie darauf achten, Ihre eigenen Emotionen klar zu benennen. Zum Beispiel: „Ich fühle mich heute gestresst, weil …“. Allein das Aussprechen und Gehör finden kann den emotionalen Druck deutlich reduzieren.
2. Führen Sie ein Selbstreflexions-Tagebuch
Notieren Sie täglich Ihre Gefühle, auch in kurzen Stichpunkten. Wichtig ist, dass Sie genau beschreiben, was Sie fühlen („ängstlich“, „frustriert“, „aufgeregt“) und gegebenenfalls, warum. Das stärkt Ihre Fähigkeit, Emotionen wahrzunehmen und einzuordnen.
3. Nutzen Sie visuelle Unterstützung
Das Stimmungsbarometer zum Beispiel hilft, Emotionen genauer zu differenzieren. Statt „schlecht“ oder „traurig“ suchen Sie nach spezifischeren Begriffen wie „enttäuscht“, „einsam“ oder „überfordert“. Je präziser das Label, desto stärker unterstützt es die emotionale Selbstregulation.

Durch diese einfachen Methoden können Sie die Erkenntnisse der Studie direkt in Ihren Alltag integrieren. Gefühle zu benennen und bewusst zu reflektieren ist ein kraftvoller erster Schritt, um emotionalen Stress zu reduzieren. Manchmal ist es jedoch hilfreich, dabei Unterstützung zu haben – jemanden, der Ihnen zuhört, gezielt begleitet und praktische Strategien vermittelt, die auf Ihre persönliche Situation zugeschnitten sind.
In meiner psychologischen Beratung begleite ich Sie dabei, Ihre Emotionen besser zu verstehen, zu benennen und wirksame Wege zu finden, mit Stress, Unsicherheit oder belastenden Situationen umzugehen. Vereinbaren Sie noch heute ein unverbindliches Erstgespräch, und entdecken Sie, wie Worte zu einem Schlüssel für mehr innere Ruhe und Klarheit werden können.


