Stark statt ausgebrannt – Resilienz-Café in Leipzig
- michellewunnermw
- vor 16 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Vielleicht kennen Sie das: Eigentlich ist gerade gar nichts Dramatisches passiert. Und trotzdem fühlen Sie sich erschöpft. Die To-do-Liste wird länger, die Geduld kürzer und selbst Dinge, die Ihnen normalerweise Freude machen, fühlen sich plötzlich wie zusätzliche Aufgaben an.
Oft warten wir ziemlich lange, bevor wir uns fragen:
Ist das gerade einfach eine anstrengende Phase oder bin ich eigentlich schon zu lange über meiner Belastungsgrenze?

Dabei beginnt Burnout meistens nicht mit einem großen Knall. Viel häufiger entwickelt sich die Überlastung schleichend. Wir funktionieren weiter, verschieben Pausen, sagen noch schnell zu, übernehmen noch eine Aufgabe und denken: „Das muss jetzt eben gehen.“
Und genau hier kommt Resilienz ins Spiel.
Resilienz bedeutet nicht, immer mehr aushalten zu können
Wenn wir von Resilienz sprechen, entsteht schnell das Bild eines Menschen, der auch in schwierigen Situationen ruhig bleibt, sich nicht aus der Bahn werfen lässt und irgendwie immer weitermacht. Doch genau das ist eigentlich ein Missverständnis.
Resilienz bedeutet nicht, möglichst viel Belastung auszuhalten. Und sie bedeutet schon gar nicht, immer stark sein zu müssen. Vielmehr geht es darum, Belastungen wahrzunehmen, die eigenen Ressourcen zu kennen und rechtzeitig angemessen darauf zu reagieren.
Dazu gehört auch die Fähigkeit, Grenzen zu erkennen. Unterstützung anzunehmen. Pausen ernst zu nehmen. Erwartungen zu hinterfragen. Und manchmal auch zu sagen: So wie bisher kann es gerade nicht weitergehen.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht: „Wie viel halte ich aus?“
Vielleicht ist die interessantere Frage: „Woran merke ich eigentlich, dass es mir zu viel wird?“
Denn unsere Belastungsgrenze kündigt sich häufig an, bevor wir sie bewusst wahrnehmen.
Vielleicht schlafen Sie schlechter. Vielleicht sind Sie schneller gereizt. Vielleicht fällt es Ihnen schwerer, sich zu konzentrieren. Vielleicht haben Sie das Gefühl, ständig unter Strom zu stehen, obwohl Sie eigentlich gar nicht mehr so viel schaffen. Oder Sie merken, dass Sie kaum noch abschalten können.
Manchmal verändern sich auch unsere Gedanken. Aus einem „Das ist gerade viel“ wird ein „Ich muss das irgendwie noch schaffen“. Aus „Ich brauche eine Pause“ wird „Dafür habe ich jetzt wirklich keine Zeit“.
Und genau solche kleinen Veränderungen können wichtige Hinweise darauf sein, dass unsere persönlichen Ressourcen gerade nicht mehr ausreichen, um die Belastungen auszugleichen.
Was belastet mich eigentlich – und was tut mir gut?
Ein wichtiger Bestandteil von Resilienz ist deshalb, die eigene Situation einmal bewusst anzuschauen. Nicht erst dann, wenn gar nichts mehr geht, sondern vorher.
Welche Stressoren begleiten mich gerade?
Welche Anforderungen kann ich tatsächlich beeinflussen?
Wo mache ich mir selbst zusätzlichen Druck?
Und welche Dinge geben mir eigentlich Energie, die im Alltag vielleicht viel zu kurz kommen?
Dabei geht es nicht darum, für jede schwierige Situation sofort eine Lösung zu finden.
Manchmal hilft bereits die Erkenntnis: „Ah, das ist gerade wirklich viel.“
Denn auch das ist eine Form von Selbstfürsorge: die eigene Belastung ernst zu nehmen, anstatt sie kleinzureden.

Resilienz wächst durch Reflexion
Genau wie förderliche Denkweisen entstehen auch resiliente Verhaltensweisen selten einfach dadurch, dass wir uns vornehmen, ab morgen weniger Stress zu haben. Unsere Muster sind über Jahre gewachsen. Wir haben gelernt, wie wir mit Druck umgehen, wann wir Grenzen setzen, wie wir mit Fehlern umgehen und ob wir Unterstützung annehmen oder lieber alles alleine schaffen.
Unter Stress greifen wir häufig auf genau diese vertrauten Muster zurück. Deshalb lohnt es sich, innezuhalten und einmal genauer hinzuschauen:
Was mache ich eigentlich, wenn es mir zu viel wird?
Ziehe ich mich zurück? Funktioniere ich einfach weiter? Werde ich gereizt? Versuche ich, alles perfekt zu machen? Oder suche ich mir Unterstützung? Je besser wir unsere eigenen Muster kennen, desto eher können wir auch etwas verändern.

Deshalb widmet sich das nächste Resilienz-Café in Leipzig dem Thema:
„Stark statt ausgebrannt – Resilienz steigern. Burnout vermeiden.“
Anlässlich der bundesweiten Woche der Seelischen Gesundheit schaffen wir als Initiative des Systemischen Netzwerks einen offenen und geschützten Raum, um uns mit der eigenen mentalen Gesundheit auseinanderzusetzen.
Wir starten mit einem kurzen psychologischen Impuls zu Resilienz und Burnout. Anschließend geht es ganz konkret um die eigene Situation: Was sind erste Anzeichen dafür, dass es mir zu viel wird? Welche Stressoren belasten mich? Woran merke ich meine persönliche Grenze? Und was tut mir eigentlich gut?
Dabei geht es nicht um eine klassische Vortragsveranstaltung. Sie bekommen Raum, die eigenen Muster zu reflektieren, neue Perspektiven kennenzulernen und sich mit anderen Menschen auszutauschen.
Das Resilienz-Café richtet sich an Privatpersonen, die sich mit ihrer eigenen psychischen Gesundheit beschäftigen möchten – ganz unabhängig davon, ob Sie gerade in einer belastenden Phase stecken oder präventiv etwas für Ihre mentale Gesundheit tun möchten.
Die Gruppe ist bewusst auf maximal 12 Personen begrenzt, um einen guten Austausch zu fördern.
Stark statt ausgebrannt – Resilienz steigern. Burnout vermeiden.
📅 Donnerstag, 15. Oktober 2026
⏰ 15:00–17:00 Uhr
📍 Stullenfabrik Leipzig, Salomonstraße 8
👥 maximal 12 Teilnehmer:innen
💶 kostenfrei, Spenden erwünscht
Das Resilienz-Café findet auf ehrenamtlicher Basis statt. Vor Ort freuen wir uns über Ihre Bestellung von Speisen oder Getränken sowie – wenn Sie möchten – über eine kleine Spende. Eine Anmeldung ist zur besseren Planung erforderlich.
Vielleicht ist genau jetzt ein guter Zeitpunkt, nicht erst darauf zu warten, dass es zu viel wird.
Sondern einmal innezuhalten und sich zu fragen:
Wie geht es mir eigentlich gerade – und was brauche ich, damit es mir auch langfristig gut geht?


